Online Arbeiten

Wie 2020 das Arbeiten verändert hat und was wir tun können, um mehr Spaß dabei zu haben.

Von Torsten Voller

Stellen Sie sich vor… Es ist der 1. März 2019, 9 Uhr, Sie haben das wöchentliche Status-Meeting angesetzt. Sie sitzen im Besprechungsraum, von draußen scheint die Frühlingssonne durch die Fenster, Ihr Laptop steht vor Ihnen. Sie sind bereit. Plötzlich geht die Tür auf, ein Kollege mit Papiertüte auf dem Kopf kommt in den Raum und setzt sich an den Tisch – Sie sind sich nicht sicher, wer es ist, er hat ja die Tüte auf dem Kopf. Während der Kollege sich ihnen gegenüber an den Tisch setzt, hören Sie eine Stimme von unter dem Tisch: „Wann geht es denn los, ich warte schon seit 10 Minuten…“ Und dann bekommen Sie eine SMS von Ihrer Kollegin: „Ich bin unten am Empfang, – wir können jetzt anfangen…“.
Sie beschließen, dass Meetings einfach keinen Sinn machen.

Wie in dieser Geschichte kommt mir die Diskussion über Online-Meetings vor. Natürlich würden wir uns in analogen Meetings nicht so wie in der Geschichte verhalten. Denn wir haben uns seit vielen Jahren daran gewöhnt, wie man sich in solchen Meetings verhält. Schon als Kind haben wir gelernt, Türen zu öffnen und den Raum hinter uns zu schließen. Wir haben gelernt, Menschen anzuschauen, wenn wir mit ihnen reden. Unsere Eltern waren stolz, als wir endlich alleine auf einem Stuhl sitzen konnten. In der Schulzeit haben wir erlebt, dass jemand vorne steht und wir uns melden müssen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Im Berufsalltag konnten wir all das weiterhin benutzen. Nur wenn wir in Workshops im Stuhlkreis ohne Tische saßen, wurden wir ein wenig unsicher.

Wie kann ich mir meine eigene Sicherheit schaffen?

Durch die starke Veränderung in 2020 hin zu digitalen Lösungen, ist eine große Unsicherheit entstanden: „Wie verhalte ich mich? Wie fühle ich mich sicher und wohl in der neuen Umgebung?“

Um das eigene Potenzial erfolgreich in die Welt zu bringen, braucht jeder einen sicheren Rahmen, der Stabilität und Rückhalt gibt. Dafür lohnt es sich, folgende Frage zu stellen: „Ist die Situation gerade verhandelbar oder nicht mehr verhandelbar?“ Wenn sie nicht mehr verhandelbar ist – wie im Moment: Arbeiten auf Distanz – ist es an mir, mich so einzurichten, dass ich mich zunehmend sicherer in dieser Umgebung fühle.

Und … um es schon vorwegzunehmen: Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch in der Zukunft diese Form der Zusammenarbeit teilweise bestehen bleiben wird.

Welche innere Haltung habe ich gegenüber „online“?

In Videokonferenzen fallen oft Sätze wie:
„Wenn wir uns wieder live sehen …“
„Ich freue mich, wenn wir uns bald Face to Face begegnen“
„Wenn wir wieder Präsenzmeetings machen“
„Ich vermisse es dich in echt zu sehen“.
„Hoffentlich ist das nächste Treffen kein Online-Meeting“.

Wenn es nicht verhandelbar ist, dass wir auch in Zukunft online und remote miteinander arbeiten werden, ist es hilfreich, sich zu entscheiden, die eigene innere Haltung anzupassen, also passend für die Situation zu machen.

Was von dem, was ich vermisse, fehlt wirklich?

Überprüfen Sie Ihre Gedanken. Was von dem was Sie vermissen, fehlt wirklich?
In allen Online-Meetings sind Menschen.
Live. Wir sind so was von Live.
Face to Face. Viele Gesichter, Faces. Vielleicht ein wenig pixelig.
Präsenz. Alle sind präsent – da, vor unserem Bildschirm.

Natürlich ist die Situation in Online-Konferenzen nicht die gleiche wie in analogen. Wenn zwei Menschen sich in einem Raum mit allen Sinnen begegnen können, entsteht mehr als der Austausch von Gedanken. Unbewusst nehmen wir kleine Bewegungen, Blickwechsel, Gesten wahr, die online nicht so einfach zu sehen sind. Und diese Dimensionen des Gegenübers vermissen wir.

Zeitungsartikel berichten von „Zoom-Fatigue“: Keine Lust mehr auf Online-Meetings. Das lange Sitzen macht müde, das auf-den-Bildschirm-Schauen führt zu trockenen Augen, weil wir weniger blinzeln und nur eine Entfernung fokussieren.

Ein Lösungsansatz könnte sein: in Online-Meetings alle 60 Minuten eine Pause von zwei Minuten zu machen, in der alle aufstehen müssen, den Bildschirm verlassen und nicht produktiv sein dürfen (also nicht schnell die Mails checken), aus dem Fenster schauen, den Fokus ändern sollen.

Dieses Denken kann man weiterspinnen. Sie vermissen den Austausch über irrelevante Themen? Erzählen Sie Irrelevantes und andere werden einsteigen.

Digitale Effizienz versus Kollegialität in der Kaffeeküche?

Durch die Notwendigkeit des digitalen und remote Arbeiten haben wir viele neue Tools und Methoden der Zusammenarbeit kennengelernt. Wir können uns in Sekunden von einem Meeting zum nächsten „beamen“, es ist immer nur einen Klick entfernt. Die Kärtchen auf dem virtuellen Whiteboard können mit einem Klick in eine Exceltabelle umgewandelt werden. Menschen in virtuellen Workshopräumen können auf Knopfdruck zurückgeholt werden. Das ist alles sehr praktisch – birgt aber die Gefahr, Effizienzfalle zu sein.

Dabei vergessen wir, wie wichtig es ist, sich auch informell auszutauschen, Team zu sein. Wie damals in der Kaffeeküche. Oder auf dem Weg von einem Meeting in das nächste. Mit Klönschnack über das Wetter nach dem Blick aus dem Fenster. Oder gemeinsames Ärgern über einen Anruf.

Schenken Sie sich diese Zeit. Planen sie einen Blocker für Nichtstun ein. Erstellen sie einen Termin im Kalender. Wie wäre es mit „Flurtalk“ oder was immer für Sie passt. Wenn Sie sich im Team auf diese Vereinbarung einigen, können sie zum Telefon greifen oder in den MS-Teams-Chat schreiben. Mit dem Stichwort „Flurtalk anyone?“ bieten Sie Smalltalk an und schleichen Sich aus der Effizienzfalle.

Chancen und Erlaubnisse

Die Arbeitswelt hat einen Digitalisierungsschub bekommen, den sich vor einem Jahr niemand ausmalen konnte und vielleicht auch wollte. Heute freuen wir uns vielleicht, dass es von einem Meeting zum nächsten nicht mehr eine Bahnreise, sondern ein Klick ist. Wir lernen aber auch, dass es nicht immer gleich eine Videokonferenz sein muss, sondern dass ein „Walk and Talk“ Bewegung, Denken und Sprechen produktiv verbinden kann. Seien Sie kreativ, nutzen Sie die Chance und erlauben sich, Neues auszuprobieren.

Torsten Voller ist Inhaber von GleichANDERS. Moderation, Beratung, Coaching.

Er verbindet Menschen mit Leichtigkeit und Sicherheit, so dass sie für sich und in ihrer Organisation bestmöglich wirksam werden können. Torsten Voller denkt systemisch, transaktionsanalytisch und nutze die Energie der Spontaneität und des Humors.

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