Unterforderung
Quantitative Unterforderung meint eine zu geringe Arbeitsfülle der zugeteilten Aufgaben, qualitative Unterforderung bezieht sich auf einen zu geringen Anspruch der Arbeiten, die Arbeit passt also nicht zu den intellektuellen Ressourcen des Arbeitnehmers. Es gibt keine Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten in zufriedenstellendem Maß einzubringen. Wichtig ist dabei, dass ein Zurückbleiben hinter den eigenen Möglichkeiten keine eigene Entscheidung war und damit nichts mit Faulheit zu tun hat. Zu wenig zu tun zu haben, dauerhaft gelangweilt zu sein ist zudem häufig mit Scham verbunden, da dies massiv abweicht von unserer leistungsorientierten Gesellschaft. Ein gewisses Stresslevel im privaten und beruflichen aufrechtzuerhalten gehört fast schon zum guten Ton.
Langeweile und Unzufriedenheit:
Dies scheint fast die logische Folge einer Unterauslastung. Die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit geht verloren. Eine innere Kündigung, also den Rückzug in den „Dienst nach Vorschrift“, kann die Folge sein.
Verhaltensweisen zur „Tarnung“:
Typisch sind Verhaltensweisen, die eine nicht vorhandene Auslastung vertuschen sollen, beispielsweise, indem man als erster ins Büro kommt und als letzter geht oder Arbeitsaufträge in die Länge zieht. Auch werden häufig private Dinge erledigt, wobei dies zu einem Gewissenskonflikt führen kann und die Sorge um den Arbeitsplatzverlust, sollte die Unterauslastung bekannt werden, mitschwingt.
Warum machen diese Faktoren krank?
Ein wichtiger Antrieb und Motivation des Menschen sind das Streben nach Anerkennung und Leistung. Dazu kommt das wichtige Gefühl des gebraucht werdens, was sich in dem Bedürfnis nach Bindung begründet. Am besten „performen“ wir im Job, wenn die Passung zwischen Anforderungen und eigenen Kompetenzen optimal ist. In diesem grünen Bereich ist es zudem leichter, in ein Flow-Erleben zu kommen. Passen die Anforderungen und die Kompetenzen nicht zusammen, so wird Stress erlebt – entweder, weil wir überfordert oder weil wir unterfordert sind. Die im Boreout-Zustand ausbleibenden Herausforderungen führen dazu, dass keine Erfolge mehr gefeiert werden können, womit die oben erwähnten Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden. Psychologen sprechen hierbei auch von der Selbstwirksamkeit, also dem Gefühl, durch das eigene Handeln etwas bewirken, etwas schaffen zu können. Fehlt dieses Gefühl, kann das negative Auswirkungen auf das eigene Selbstvertrauen und das Sinnerleben haben. Insgesamt ist der Job für Viele eine wichtige Säule eines gesunden Selbstwertes. Bröckelt diese, ist das gesamte „Selbstwerthaus“ sehr viel fragiler.
Was können die Folgen sein?
Das Boreout als Begriff ist ein noch sehr junges Phänomen, weshalb dieses (bisher) keine anerkannte Erkrankung ist. Diese Tatsache sowie die Fülle an möglichen Begleiterscheinungen machen es Ärzten schwer, ein Boreout-Syndrom zu diagnostizieren. Grundsätzlich können die Folgen eines Boreout-Zustandes Symptome sein, die einer Depression oder einem Burnout ähneln. Das sind vor allem Antriebsminderung, Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, leichte Erschöpfbarkeit, Gereiztheit und sozialer Rückzug. Hinzu können psychosomatische Beschwerden wie Schwindel, Kopf- oder Bauchschmerzen, Schlafstörungen kommen.
Wie können Sie frühzeitig gegensteuern?
Analysieren Sie ihre Situation: Es kann sich lohnen, die eigene Arbeitszeit und womit sie verbracht wird, in einem bestimmten Zeitraum zu dokumentieren. Das hilft, klarer zu erkennen, ob Sie in Richtung eines Boreout steuern.
Führungskraft heranziehen: Sprechen Sie mit ihrer Führungskraft über die Situation und fragen Sie nach zusätzlichen Aufgaben und Themen. Vielleicht haben Sie auch selbst Vorschläge, was Sie gerne übernehmen würden.
Selbstwert stärken: Ein gesunder Selbstwert fußt im besten Fall auf verschiedenen Säulen. Stärken Sie diejenigen Selbstwertsäulen, die nichts mit dem Job zu tun haben, pflegen Sie beispielsweise ihr soziales Netz, gehe n Sie einem erfüllenden Hobby nach und kümmern Sie sich um die Beziehung zu ihnen selbst.
Arbeitsplatzwechsel in Erwägung ziehen: Zeichnen sich auf längere Sicht keine Veränderungen ab, sollten Sie über einen Arbeitsplatzwechsel nachdenken.